• Elise Braun-Barnett – zum 111. Geburtstag (Teil 1/3)

    Posted on November 19, 2015 by in Allgemein

    Elise Braun-Barnett, eine begabte Pianistin mit Vorreiter-Ideen
    Ein Beitrag in drei Teilen von Deborah Sulovsky

    Vor 111 Jahren, am 19. November 1904, wurde Elise Braun-Barnett (geborene Herbatschek), von Maria Montessori liebevoll die „Klavierlisl“(1) genannt, in Wien geboren. Ihr Leben wurde von der Musik stark geprägt: sie war eine begnadete Pianistin auf der Suche nach einer Lebensaufgabe(2).

    Elise Braun-Barnett wuchs als Einzelkind in Wien auf, ihre Eltern waren sehr bemüht, ihr die beste Erziehung zu ermöglichen. Nachdem ihre Mutter und ihr Cousin ihr erste Klavierstunden erteilten, nahm sie Unterricht bei einem renommierten österreichischen Professor der damaligen Zeit, Robert Richard. Sie schreibt, dass sie nicht nur aus Liebe zur Musik mehrere Stunden jeden Tag übte, sondern auch um die Anerkennung ihres Lehrers zu bekommen (3).
    Während dieser Zeit hatte sie die ersten Berührungen mit der indischen Theosophie. Sie besuchte einen theosophischen Vortrag, wo sie J. Krishnamurti kennenlernte. Seine Ideen beeinflussten ihr ganzes Leben.

    „Ich wollte mich nicht hübsch anziehen und auf Bälle gehen oder heiraten. Ich interessierte mich für indische Ideen, für Theosophie und zugleich dafür, etwas zu tun, um die Welt zu verbessern.“ (4)

    Nachdem sie ihr Studium, 1923, am Wiener Konservatorium abgeschlossen hatte und zu Unterrichts- und Konzerttätigkeiten befähigt war, fühlte sie sich „verloren“ (5). Sie lernte in dieser Zeit Lili Roubiczek, die Leiterin der Wiener Montessori-Schule kennen. Bei einem Besuch in der Montessori-Schule in der Troststrasse, war sie von der dort herrschenden ruhigen und konzentrierten Atmosphäre so angetan, dass sie ihre Pläne für eine künstlerische Laufbahn aufgab und 1924, der „Arbeitsgemeinschaft“ beitrat. Die Pädagoginnen der Arbeitsgemeinschaft bekamen keinen Lohn, dafür ein Dach – sie übernachteten auf den Liegestühlen der Kinder in der Schule – und Essen.

    (1) Hammerer, Franz: „Die musikalische und bildnerische Erziehung in der Praxis der Wiener Montessori Schulen der Zwischenkriegszeit“ in „ Musik-Kunst-Sprache, Möglichkeiten des persönlichen Ausdrucks in der Montessori-Pädagogik“ herausgegeben von Harald Ludwig, Berlin, 2006, S. 65.
    (2) Hosterbach, Hildegard: „Musikalisches Lernen in der Montessori-Pädagogik“, Berlin, 2005, S. 60.
    (3) Braun-Barnett, Elise: “Eleven Years in India“, Center for Jewish History, Leo Baeck Archives, LBI Memoir Collection
    (4) Kramer, Rita: „Maria Montessori“, Frankfurt, 1995, S.289.
    (5) Braun-Barnett, Elise: “Eleven Years in India“, Center for Jewish History, Leo Baeck Archives, LBI Memoir Collection